Kaum ein Thema hat die Kunst der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts so stark geprägt wie die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild. In den Jahren zwischen Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik durchliefen Porträt und Figurendarstellung tiefgreifende Veränderungen. Künstlerinnen und Künstler reagierten auf Kriegserfahrungen, gesellschaftliche Umbrüche, Industrialisierung und Urbanisierung ebenso wie auf Fragen nach neuer individueller und kollektiver Identität.
Die Ausstellung BLICK.FANG.MODERNE – Menschenbilder zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit widmet sich der großen Vielfalt an Porträts, Selbstporträts und anderen Menschendarstellungen, die in diesem Spannungsfeld entstanden. Zu sehen sind Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarelle von bekannten Namen wie Erich Heckel, Emil Nolde, Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz oder Karl Schmidt-Rottluff, aber auch von heute weniger bekannten. Die Arbeiten zeigen, wie unterschiedlich Kunstschaffende dieser Zeit auf ihre Mitmenschen blickten: mal eindringlich und expressiv, mal kritisch, genau und schonungslos ehrlich.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf Werken von drei Künstlern mit besonderem Bezug zur Region: dem 1880 in Aschaffenburg geborenen Ernst Ludwig Kirchner, dem 1888 in Eschau im Spessart geborenen Fritz Schaefler sowie Christian Schad, der ab 1942 in Aschaffenburg und Keilberg lebte. Ihre Arbeiten verbinden die internationale Moderne mit regionaler Identität.
Alle gezeigten Werke stammen aus derselben „Privatsammlung Unterfranken“. Dadurch entsteht ein seltener, in sich geschlossener Blick auf das Menschenbild der Moderne – konzentriert, persönlich und zugleich kunsthistorisch bedeutsam. Die Ausstellung lädt dazu ein, diesen Gesichtern der Moderne zu begegnen – und dabei auch sich selbst neu zu entdecken.